Einer wird gewinnen
Bericht vom XII. Karl-Mala-Open in Frankfurt/Main (von Michael Schimmer)
Alle Photos: Mike Rosa
Bereits zum 12. Mal fand zur Sommerzeit im Frankfurter Stadtteil
Griesheim das Karl-Mala-Gedenkturnier statt. Vom 16. bis 19. Juli
kämpften 219 Teilnehmer, darunter 5 Großmeister, 7 Internationale
Meister und 3 FIDE-Meister um die 10 Haupt- und 27 Sonderpreise.
Der 16. Juli war ein richtig schwül-heißer Sommertag, weshalb die
Teilnehmer heilfroh waren, als pünktlich um 17 Uhr der klimatisierte
Spielsaal geöffnet wurde. Im angrenzenden Foyer war es knackig heiß
geworden.
In solch illustrem Teilnehmerfeld, darunter die GM Luther und Teske,
war klar, dass der Kampf um die Hauptpreise sehr eng werden würde
und ein Remis oder gar eine Niederlage in einer frühen Runde die
Titelträger vorentscheidend zurückwerfen konnte. So musste sich
GM Teske bereits in Runde 2 gegen den hessischen Jugendspitzenspieler
Alexander Donchenko aus Gießen ebenso mit einem Remis begnügen wie
in Runde 3 GM Vitaly Kunin gegen den Heusenstammer Dr. Rudolf Benninger.
Der sympathische Großmeister Luther...
...sein nicht minder angenehmer Reisepartner, GM Teske...
...sowie der in Hessen gut bekannte GM Lev Gutman.
Da das Turnier in den Sommerferien mehrerer Bundesländer liegt,
konnten auch wieder etliche Jugendspieler begrüßt werden, die
den "alten Hasen" das Leben schwer machten. Insbesondere die Vereine
SC 1926 Bendorf, Lajda Rossdorf und SK Langen kamen mit größeren
Jugendgruppen.
IM Milov - IM Zude
Die Turnierorganisatoren um Ralph Blum und Michael Schimmer konnten
auch dieses Jahr wieder etliche Gäste aus dem europäischen Ausland
begrüssen. So kamen Urs Egli aus der Schweiz und Leonardo Deruda
sogar aus Italien angereist.
Schachvisionär Hans-Walter Schmitt im angeregten Plaudern mit Blum und Schimmer.
Einer der jüngsten
Diesem war in der ersten Runde gleich das Losglück hold, durfte
er sich doch an Brett numero eins gegen den Turnierfavoriten Viacheslav
Ikonnikov (Heidelberg-Handschuhsheim) beweisen. Der Italiener verlor
und war damit allerdings in bester Gesellschaft, da GM Ikonnikov
auch den folgenden fünf Gegnern, so auch dem sehr stark spielenden
Hofheimer IM Dr. Erik Zude, das Nachsehen gab. Damit war Ikonnikov
vor der letzten Runde allein in Führung. Mit 5,5/6 bzw. 5/6 folgten
etliche Spieler, die sich noch Chancen auf den Preisfond ausrechneten.
Dies war dem Kampfgeist in der letzten Runde sehr förderlich. Es gab
keine Kurzremisen an den vorderen Brettern und auch weiter hinten wurde
selten weniger als zwei Stunden gespielt. In der Spitzenpaarung der
letzten Runde versuchte GM Luther die Verteidigung von Ikonnikov
zu knacken, was aber nicht gelang - Remis und damit alleiniger Turniersieg
für den Heidelberger GM.
Auf den Plätzen folgten mit je 6 Punkten GM Kunin vor GM Luther,
IM Dr. Erik Zude, der mit diesem Ergebnis auch Bezirksmeister
Main-Taunus wurde, GM Teske und GM Gutman. Bei so einer starken
Spitze gab es nur zwei Spieler, die mit 5, 5 Punkten das große
Verfolgerfeld anführten.

Als kompetente Schiedsrichter waren für das Turnier die Herren
Thomas Rondio und Wolfgang Hettler hauptverantwortlich, und unter
der tätigen Mitwirkung von Nachwuchsschiedsrichter Pierre Braunberger
lief das Turnier weitgehend in ruhiger und angenehmer Atmosphäre ab,
so kassierte einzig in der letzten Runde leider ein Teilnehmer eine
Zeitstrafe, da er trotz entsprechender Verwarnung immer wieder in
die Partie hineinredete und damit die Konzentration seiner Gegnerin
störte.
Der geräumige Turniersaal
Wie immer erfreuten sich die Schachanhänger an einer voll klimatisierten
Halle und einer angenehmen Turnieratmospäre, das Prinzip "Einzeltisch
für jede Partie" konnte auch heuer wieder erfüllt werden, ist die
Kapazität der Halle ja noch lange nicht erschöpft.
Turniersieger GM Ikonnikov
Aber auch so war das Karl-Mala-Gedenkturnier teilnehmerstärkste
Turnier in Hessen, und bedenkt man, daß die gesamte Finanzierung
ohne Sponsoren, wenn man von privaten Zuwendungen (!) der Vereinsmitglieder
absieht, vonstatten gehen muss, so können die "paar Hanseln" von
der Schachgesellschaft eigentlich ganz zufrieden sein - die dreizehnte
Auflage des Turniers im Sommer 2010 ist bereits beschlossene Sache!